Säuregrad, Polyphenole und Peroxid: Was ist das?

Bei hochwertigem Olivenöl geht es nicht nur um Herkunft, Sorte oder Geschmack. Auch Laborwerte helfen, die Qualität besser einzuordnen.

Drei Werte sind besonders wichtig: SäuregradPolyphenolwert und Peroxidwert. Sie zeigen nicht alles, aber sie geben Hinweise darauf, wie sorgfältig ein Olivenöl hergestellt wurde, wie frisch es ist und wie stabil es bleiben kann.

Wichtig ist: Die gesetzlichen Anforderungen für natives Olivenöl extra sind Mindestanforderungen. Ein Öl darf also „nativ extra“ heißen, wenn es bestimmte Grenzwerte einhält und sensorisch fehlerfrei ist. Für eine gute Auswahl reicht uns das allein nicht. Wir schauen genauer hin.

Analysewerte sind ein Teil des Ganzen

Wir, von Essig & Öl Compagnie, bewerten Olivenöle deshalb nicht allein nach der Güteklasse „nativ extra“, sondern auch nach Analysewerten, Sensorik, Frische, Produzent, Olivensorte, Ernte und passender Verwendung.

Gesetzlicher EU-Standard und Qualitätsanspruch sind nicht dasselbe

Ein natives Olivenöl extra muss bestimmte Vorgaben erfüllen. Dazu gehört unter anderem ein Säuregrad von höchstens 0,8 % und ein Peroxidwert von höchstens 20 meq O₂/kg. Außerdem darf es in der sensorischen Prüfung keine Fehler zeigen und muss fruchtig sein. [1]

Diese Werte sagen: Das Öl erfüllt die Kategorie nativ extra.

Sie sagen aber noch nicht: Das Öl ist besonders gut.

Deshalb unterscheiden wir als Fachhändler zwischen dem gesetzlichen Mindeststandard und unseren eigenen Qualitätsanforderungen. Wir achten darauf, ob ein Öl deutlich unter den Grenzwerten liegt, wie es schmeckt, wofür es geeignet ist und ob es zu unserem Sortiment passt.

  • Säuregrad

    Bedeutung: Zeigt, wie "sauber" und unverletzt die Oliven vor dem Pressen waren. Ein niedriger Wert spricht für gesunde, junge Früchte und eine schonende und schnelle Ernte.

    __________

    Grenzwert: ≤ 0,8 %

    Unsere Anforderung: ≤ 0,3 %

  • Polyphenole

    Bedeutung: Verantwortlich für die gesundheitsfördernde Wirkung, Haltbarkeit und den charakteristischen, bitteren Geschmack und die Schärfe. Hängt von der Olivensorte und der Qualität der Verarbeitung ab.

    ________

    Orientierungswerte:

    Gut: ≥ 250 mg/kg [2]

    Sehr gut: ≥ 500 mg/kg [3]

    Spitzenwerte: über 800 mg/kg möglich

  • Peroxide

    Bedeutung: Misst den Frischegrad und wie stark das Öl oxidiert ist. Je niedriger, desto frischer und stabiler ist das Öl. Ein hoher Wert weist darauf hin, dass das Öl bereits gealtert, unsachgemäß gelagert oder mit Luft, Licht oder Hitze in Kontakt gekommen ist.

    _________

    Grenzwert: ≤ 20 meq O₂/kg

    Unsere Anforderung: ≤ 10 meq O₂/kg

Was bedeutet der Säuregrad bei Olivenöl?

Der Säuregrad zeigt, wie viele freie Fettsäuren im Olivenöl enthalten sind. Das klingt technisch, ist aber leicht zu verstehen: Je niedriger der Säuregrad, desto sauberer und schonender wurde in der Regel gearbeitet.

Ein niedriger Säuregrad spricht oft dafür, dass die Oliven gesund waren, schnell verarbeitet wurden und vor dem Pressen nicht lange lagen.

Wichtig: Der Säuregrad hat nichts mit einem sauren Geschmack zu tun. Ein Olivenöl mit niedrigem Säuregrad kann mild schmecken. Es kann aber auch bitter, grün oder pfeffrig sein.

Für natives Olivenöl extra liegt der gesetzliche Grenzwert bei maximal 0,8 %. Für besonders hochwertige Öle schauen wir eher auf Werte, die deutlich darunter liegen. Ein Wert von 0,3 % oder niedriger ist für uns ein starkes Qualitätszeichen.

Grüne Arbequina Oliven am Baum

Was bedeutet der Polyphenolwert?

Polyphenole sind natürliche Pflanzenstoffe in Olivenöl. Sie entstehen vor allem in frischen, grünen Oliven und sind ein Grund dafür, warum manche Olivenöle bitter und scharf schmecken.

Genau diese Bitterkeit und Schärfe werden von vielen Kunden erst einmal als ungewohnt empfunden. Bei hochwertigen Olivenölen sind sie aber oft kein Fehler, sondern ein Hinweis auf frische Oliven und einen höheren Polyphenolgehalt.

Polyphenole sind außerdem wichtig für die Stabilität des Öls. Ein polyphenolreiches Olivenöl ist häufig robuster und bleibt bei guter Lagerung länger aromatisch.

Anders als beim Säuregrad gibt es für Polyphenole keinen festen gesetzlichen Mindestwert für natives Olivenöl extra. Ein mildes Olivenöl kann also sehr gut sein, auch wenn es weniger Polyphenole hat. Entscheidend ist, was Sie suchen: ein mildes Öl für feine Salate oder ein kräftiges, grünes Öl mit Bitterkeit und Schärfe.

Als Orientierung gilt bei uns: Ab etwa 250 mg/kg wird ein Olivenöl interessant. Ab 500 mg/kg sprechen wir von einem sehr hohen Wert. Werte über 800 mg/kg sind möglich, aber nicht für jeden Geschmack passend.

Olivenhain im Nebel

Was bedeutet der Peroxidwert?

Der Peroxidwert zeigt, wie stark ein Öl bereits oxidiert ist. Oxidation entsteht durch Sauerstoff, Licht, Wärme und Zeit.

Ein niedriger Peroxidwert ist deshalb ein wichtiger Hinweis auf Frische und gute Lagerung. Ein hoher Wert kann darauf hindeuten, dass das Öl gealtert ist oder nicht optimal behandelt wurde.

Für natives Olivenöl extra liegt der gesetzliche Grenzwert bei maximal 20 meq O₂/kg. Für unsere Qualitätsbewertung ist das nur die Untergrenze. Bei sehr guten Olivenölen erwarten wir Werte, die deutlich darunter liegen. Ein Peroxidwert von 10 meq O₂/kg oder niedriger ist ein gutes Zeichen.

Der Peroxidwert ist besonders wichtig, weil Olivenöl empfindlich ist. Selbst ein gutes Öl kann an Qualität verlieren, wenn es zu lange, zu warm oder zu hell gelagert wird.

  • Was beeinflusst den Säuregrad?

    • Zustand der Oliven
    • Reifegrad
    • Zeit zwischen Ernte und Verarbeitung
    • Sauberkeit bei Ernte und Transport
    • Beschädigungen oder Schädlingsbefall
    • Arbeitsweise der Ölmühle

    Merke: Je unverletzter und schneller die Olive in die Mühle kommt, desto niedriger ist in der Regel der Säuregrad.

  • Was beeinflusst den Polyphenolwert?

    • Olivensorte
    • Erntezeitpunkt
    • Reifegrad der Oliven
    • Klima und Anbaugebiet
    • Verarbeitungstemperatur
    • Dauer der Verarbeitung
    • Lagerung nach der Pressung
    • Alter des Öls

    Merke: Je weniger Sauerstoff, Licht und Wärme während Ernte, Verarbeitung, Transport und Lagerung an das Öl gelangen, desto langsamer altert das Öl.

  • Was beeinflusst den Peroxidwert?

    • Kontakt mit Sauerstoff
    • Licht
    • Wärme
    • Lagerdauer
    • Flasche oder Kanister
    • Transportbedingungen
    • Lagerung beim Händler
    • Lagerung zu Hause nach dem Öffnen

    Merke: Je weniger Sauerstoff, Licht und Wärme während, Ernte, Produktion und Lagerung an das Öl gelangt ist, desto weniger ist es gealtert.

Ein Gedankenspiel: Was passiert bei falscher Lagerung zu Hause

Ein gutes Olivenöl kann zu Hause nicht besser werden – es kann seine Qualität nur möglichst lange behalten oder schneller verlieren.

Steht die Flasche hell, warm oder offen, kommt das Öl stärker mit Licht, Wärme und Sauerstoff in Kontakt. Dadurch oxidiert es schneller. Der Peroxidwert kann steigen. Frische und Stabilität lassen nach.

Gleichzeitig nehmen Polyphenole und andere schützende Inhaltsstoffe ab. Damit verliert das Öl seinen natürlichen Schutz. Bitterkeit, Schärfe und grüne Frische werden schwächer.

Auch der Geschmack nimmt ab: fruchtige, grasige oder kräuterige Noten werden flacher. Das Öl wirkt weniger lebendig und verliert seinen klaren Charakter. Wenn die schützenden Inhaltsstoffe weiter abgebaut werden, schreitet die Oxidation fort. Das Öl schmeckt erst müde und alt – und wird am Ende ranzig.

Der Säuregrad verändert sich zu Hause meist kaum. Er zeigt eher, wie gut die Oliven vor der Pressung behandelt wurden.

Olivenöl richtig lagern

Warum ein einzelner Wert nie reicht

Ein niedriger Säuregrad allein macht noch kein Spitzenöl. Ein hoher Polyphenolwert macht ein Öl nicht automatisch besser für jeden Kunden. Und ein guter Peroxidwert sagt noch nicht, ob Ihnen das Öl geschmacklich gefällt.

Deshalb müssen alle Werte immer zusammen betrachtet werden. Ein hoher Polyphenolgehalt ist nun mal nichts wert, wenn der Säuregehalt hoch ist.

Ein gutes Olivenöl muss sauber verarbeitet sein, frisch riechen und schmecken, sensorisch überzeugen und zu seinem Verwendungszweck passen.

Für ein mildes Salatöl sind andere Eigenschaften wichtig als für ein kräftiges Olivenöl zu Grillgemüse, Pasta oder Brot.

Wichtig: Was bedeutet das für Ihren Kauf?

Laborwerte helfen, Olivenöl besser zu verstehen. Sie machen Qualität greifbarer. Trotzdem ersetzen sie keine professionelle Einordnung.

Genau hier liegt die Aufgabe eines Olivenöl-Fachhändlers: Werte nicht nur zu nennen, sondern verständlich zu machen. Ein Öl mit viel Polyphenolen kann hervorragend sein (vor allem wenn Sie es aus gesundheitlichen Gründen suchen), aber ist für jemanden, der Bitterkeit nicht mag, trotzdem die falsche Wahl.

Ein mildes Öl kann weniger Polyphenole haben und trotzdem sehr hochwertig sein.

Bei Essig & Öl ordnen wir Olivenöle deshalb nach Qualität, Geschmack und Verwendung ein. Wir achten auf Analysewerte, aber auch auf Produzent, Ernte, Frische, Sorte, Sensorik und Anwendung.

So finden Sie nicht nur ein Olivenöl, das die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Sie finden ein Olivenöl, das zu Ihrem Geschmack und zu Ihrer Küche passt.

Quellenverzeichnis

[1] Europäische Union – Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104 Titel: Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104 der Kommission vom 29. Juli 2022 zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 hinsichtlich der Vermarktungsnormen für Olivenöl.
URL: https://eur-lex.europa. Abrufdatum: 08.07.2026

[2] Europäische Union – Verordnung (EU) Nr. 432/2012 Titel: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel.
Primärquelle (EUR-Lex): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32012R0432
Abrufdatum: 08.07.2026

[3] Bendini, A. et al.„Olive oil varieties and ripening stages containing the antioxidants hydroxytyrosol and derivatives in compliance with EFSA health claim.“Food Chemistry2021;342:128291.
Relevant: Untersucht 12 Sorten in 3 Reifestufen; zeigt, welche die EFSA-Schwelle (≥ 250 mg/kg) erfüllen.
URL (PubMed): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33060000/
URL (ScienceDirect): https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0308814620321531
Abrufdatum: 08.07.2026

Der Autor

Die Aromen kaltgepresster Speiseöle entzücken unseren Gaumen seit vielen Jahren. Deshalb beschäftigt sich die Essig & Öl Compagnie seit 30 Jahren mit hochwertigen Speiseölen – von Olivenöl über Walnussöl und Leinöl bis hin zu Kürbiskernöl.

Bastian Jendral widmet sich diesem Thema seit 2008 mit besonderer Leidenschaft. Er steht im direkten Austausch mit ausgewählten Ölmühlen und Produzenten und bezieht die Öle ausschließlich direkt von den Herstellern. In seinen Artikeln schreibt er über Qualität, Herstellung und Geschmack und zeigt, dass gute Speiseöle mehr sind als Küchenzutaten.

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